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Thomas Benedikter (Herausgeber)
Den Grundsätzen treu geblieben
Alfons Benedikters
Wirken für Südtirol im Spiegel der Erinnerung
Mit zahlreichen Fotos
ISBN: 978-88-6069-008-1
176 Seiten
Format 16 x 23,5 cm
Fadengeheftete Broschur
Preis 17 Euro
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Der Kulturausschuss Frangart, die Geschwister Benedikter und der Verlag Prokopp & Hechensteiner laden herzlich zur Vorstellung des neuen Buches "Den Grundsätzen treu geblieben. Alfons Benedikters Wirken für Südtirol im Spiegel der Erinnerung" ein.
Ort: Frangart, Dorftreff Schenk
Zeit: Freitag, 9. Dezember 2011, 18 Uhr
Zu den insgesamt 20 Autorinnen und Autoren zählen unter anderem Peter Ortner, Martha Stocker, Oskar Peterlini, Rosa Franzelin, Hans Benedikter, Eva Klotz, Adolf Spitaler, Martin Schweiggl, Norbert Dall'Ò und Egon Kühebacher.
In Anekdoten und Erinnerungen wird die Persönlichkeit Alfons Benedikters lebendig und sein Schaffen auch kritisch gewürdigt. Er selbst schreibt über die ersten Jahrzehnte seines Lebens. Ein umfassender Bildteil widmet sich auch dem Privatmenschen Alfons Benedikter.
Alfons Benedikter (1918 - 2010) hat die Südtiroler Zeitgeschichte maßgeblich geprägt. In Frangart hat er mit seiner Familie von 1960 bis 2010 gelebt und hier auch seine letzte Ruhestätte gefunden. Beim "Schenkwirt" Alessandri saß er manchmal mit den Frangartnern nach der Sonntagsmesse zusammen.
Die Veranstaltung wird mit Musik umrahmt und klingt mit einem Umtrunk aus. Alle sind herzlich eingeladen.
Fotos von der Buchvorstellung von Hanna Battisti
Alfons Benedikter (1918–2010) gehört zur Gründergeneration der SVP. Vielen Südtirolern ist er bekannt als ›die rechte Hand von Silvius Magnago‹. Als Mitglied des Landtags und der Landesregierung hat er mehr als ein halbes Jahrhundert lang die politische Entwicklung in Südtirol mitgestaltet und sich auf allen Ebenen für die Autonomie und Selbstbestimmung der Südtiroler eingesetzt. In zähen Verhandlungen mit der italienischen Regierung konnten die Südtirol-Autonomie konkret umgesetzt und die Rechte der Südtiroler Minderheit gesichert werden. – »Meinen Grundsätzen treu zu bleiben« war für Benedikter die wichtigste Maxime seines politischen Handelns. Deshalb trennte er sich mit Abschluss der Paketautonomie von der SVP und begründete eine neue Bewegung mit, die sich für die Selbstbestimmung der Südtiroler einsetzt. Neben seiner Rolle als Unterhändler in Rom hat Alfons Benedikter auch für seinen beharrlichen Einsatz für den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft und eine strenge Raumordnung über die Grenzen Südtirols hinaus Anerkennung gefunden.
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Herausgeber
... formt sich wie aus Mosaiksteinen ein Bild, wie Alfons Benedikter vielen in Erinnerung geblieben ist, mit seinen Stärken und Schwächen, mit seinen Erfolgen und Niederlagen, als Privatmensch und als Politiker.
Reinhard Olt (1952) ist Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dieser Artikel erschien im ›Europäischen Journal für Minderheitenfragen‹ 3–4 (2010) 251–254 unter dem Titel »Zum Tode von Alfons Benedikter. Im Kampf um die Südtirol-Autonomie. Das Alter Ego Magnagos und der ›Vater der Durchführungsbestimmungen‹« (Springer-Verlag, Wien)
Der am 3. November 2010 in Bozen im Alter von 92 Jahren verstorbene Alfons Benedikter ist ein zoon politikon gewesen, ein durch und durch ›politisches Wesen‹, wie es Aristoteles in seinem Werk ›Politiká‹ im Sinne eines in der Gemeinschaft für die Gemeinschaft wirkenden Menschen sah. Auf Benedikter trifft auch das samt und sonders zu, was ›Politeia‹ dem aristotelischen Sinne nach ausmacht, nämlich ›Staat, Staatswesen, Verfassung‹.
© Springer Verlag Wien
Helene Oberrauch (1934) war über 30 Jahre lang persönliche Referentin von Alfons Benedikter in der Südtiroler Landesverwaltung.
Bei den Besprechungen mit den Amtsdirektoren bzw. dem Abteilungsleiter ging es oft recht munter zu. Schallendes Gelächter war oft von Abteilungsleiter Ferdinand Willeit zu hören. Mit mir war der Chef immer freundlich und sachlich, konzentriert auf die Arbeit, außer einmal, als er von mir ein bestimmtes Urteil des Verfassungsgerichtshofes verlangte, das ich leider nicht zur Verfügung hatte. Im Amtsalltag war Benedikter ein liebenswerter und bescheidener Mensch.
Martin Schweiggl (1948) arbeitete von 1976 an in der Landesverwaltung als Landschaftsplaner und war von 1991 bis 2008 Direktor des Amtes für Landschaftsplanung bzw. Landschaftsökologie.
Öfters wird von Medien kolportiert, dass Benedikters Raumordnung ›furchtbar kompliziert‹ war. Eher war das Gegenteil der Fall. Die Gesetze waren klar und (für Einzelfälle oft) hart formuliert. Erst als man später versuchte, alle möglichen Einzelfälle und die Interessen der verschiedensten Lobbys zu berücksichtigen, wurden die Bestimmungen immer komplizierter und undurchschaubarer. Beinahe jedes Jahr hat der Gesetzgeber seither am Raumordnungs- und Landschaftsschutzgesetz herumgebastelt. Ich war selbst jahrelang als Landessachverständiger für Landschaftsschutz und Raumordnung in verschiedenen Gemeindebaukommissionen tätig. Während man zu Benedikters Zeiten die geltenden Bestimmungen noch auswendig im Kopf behalten konnte, brauchte es später einen dicken Ordner, um sich im Dschungel der verschiedenen Gesetzes- und Durchführungsbestimmungen, Kubaturverschiebungen und halbamtlichen Interpretationen bei Widersprüchen einigermaßen zweifelsfrei zurechtzufinden.
Eva Klotz (1951) ist seit 1983 Mitglied des Südtiroler Landtags, Mitbegründerin des ›Südtiroler Heimatbundes‹, der ›Union für Südtirol‹ und der ›Süd-Tiroler Freiheit‹.
Einmal nach einer Stellungnahme im Regionalrat in Trient, wo es um die Bedeutung der Region und um unser Selbstbestimmungsrecht ging, kamen Anton Zelger und Alfons Benedikter auf mich zu und gratulierten mir zu dieser Rede. Später habe ich erfahren, dass Magnago dies und andere Gesten der Anerkennung mir gegenüber gar nicht gefallen haben. Er sagte zu Alfons wörtlich: »De politische Schmuserei konnsch loss’n!«
Paolo Tonelli (1949) war Regionalratsabgeordneter für die ›Democrazia proletaria‹ des Trentino, dann für ›Solidarietà‹; heute ist er bei der ›Federazione Trentina delle Cooperative‹ in leitender Position tätig.
Ricordo un significativo episodio avvenuto al bivacco San Giovanni nelle montagne Ledrensi, basso Trentino dove veniva volentieri. Avevo avvertito gli abituali frequentatori che avremmo accompagnato Alfons Benedikter. Lo accolsero con la grande cordialità che si riserva a un ospite importante. Quella domenica anche il CAI di Laives aveva deciso una gita nello stesso posto. Gli italiani del CAI lo riconobbero subito. Iniziale freddezza, scambio di qualche battuta, discussione in crescendo con qualche bicchiere di vino per sciogliere la lingua, qualche fotografia, fotografia di tutto il gruppo e canto finale di ‹Volga› ovviamente nella lingua originale. In pochi minuti aveva saputo trasformare una situazione un pochino tesa in un momento di reciproca conoscenza e di festa.
Norbert Dall’Ò (1957) ist Chefredakteur des Südtiroler Wochenmagazins ›ff‹. Dieser Artikel erschien in ff 45 vom 11. November 2010 unter folgendem Titel: ›Nachruf: Das Herz der Kampfmaschine‹.
Typisch Benedikter. Nicht links, nicht rechts schauen. Immer konzentriert auf die Aufgabe. In der Schule, auf der Uni, im Krieg – egal ob unter Mussolini oder unter Hitler – und dann später in der Politik, ein halbes Jahrhundert lang!, gab es bei Alfons Benedikter nichts anderes als die Erfüllung der Pflicht. Jene Pflicht, die man ihm aufgetragen hatte, oder die er – wer konnte das schon genau sagen – sich selbst aufgetragen hatte. Und in dieser bedingungslosen, bis zur Selbstverleugnung starrköpfigen Pflichterfüllung wurde er unter Silvius Magnago (oder vielleicht besser: neben Magnago) zum mächtigsten und wichtigsten Politiker Südtirols.
© ff media bozen
Martha Stocker (1954) ist Historikerin, Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin der Autonomen Region Trentino-Südtirol.
Er hat es dabei nicht immer allen leicht gemacht, vor allem sich selber nicht: die Verkörperung von Verantwortung kannte diese Kategorie nicht, es ging nicht darum zu gefallen, sondern in Verantwortung, unbeirrbar, das zu tun, was einem innerer Auftrag ist. Alfons Benedikter war in diesem Sinne, wie wohl die meisten seiner Generation, vor allem ein sorgender Südtirol-Anwalt, der im Zweifelsfalle auch die Südtiroler und Südtirolerinnen vor ihren eigenen Fehlern, ihren eigenen schlechteren Eigenschaften bewahren wollte.
Friedl Volgger (1914–1997), Politiker und Journalist. Dieser Beitrag ist eine gekürzte Fassung des Kapitels ›Ins Blickfeld der Welt gerückt‹ aus seinem Buch ›Mit Südtirol am Scheideweg‹ (Haymon Verlag, Innsbruck 1984)
Wir Südtiroler stellten uns gleich nach unserem Eintreffen in New York am 26. September [1960] bei der italienischen Mission vor. Die Herren konnten ihr Staunen über unsere Vorsprache nicht verbergen. Von unserem freundlichen Angebot, ihnen im Bedarfsfall jederzeit zur Verfügung zu stehen, machten sie keinen Gebrauch. Wir hatten damit auch nicht gerechnet. Dass bei der Bozner Staatsanwaltschaft gegen uns eine Anzeige wegen ›Hochverrats‹ eingebracht wurde, brachte uns nicht aus dem Gleichgewicht.
© Haymon Verlag Innsbruck
Konrad Palla (1944) war Revisor, Revisionsdienstleiter und von 1978 bis 2009 Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Südtirol. Er ist Gemeinderat der Stadtgemeinde Bozen.
Ich war in einem Hotel in St. Kassian im Gadertal zu einem Mittagessen eingeladen worden, bei dem auch der ehemalige Wirtschafts- und Finanzminister Giuseppe Guarino zu Tische saß. Im Laufe des Gesprächs fragte mich Guarino, ob ich denn einen gewissen Benedikter kennen würde. Ich antwortete, dass mir deren zwei aus der ›politischen Zunft‹ bekannt seien: der ehemalige Parlamentarier Hans und der Landespolitiker Alfons. Er meinte jenen, der mit den Paketverhandlungen der Autonomen Provinz Bozen zu tun hatte, und erzählte, dass er sich noch genau daran erinnere, wie dieser Mann, mitunter mit einem Rucksack auf dem Buckl, in seinen Amtsräumen im Ministerium vorgesprochen und es auf beeindruckende Art und Weise verstanden habe, die desolaten Zustände in Südtirol zu schildern. Es sei unmöglich gewesen, diesen Schilderungen nicht zu glauben, weil sie so ehrlich und wahr wirkten, fügte er hinzu. Es ging um die Infrastrukturen, die Schulen, die Gemeinden, die Wirtschaft und die Arbeitsplätze, die sozialen Einrichtungen und die Sanität, alles sei noch rückständig und überall bestünde Nachholbedarf. Wir haben lange beraten, so Guarino, und haben uns dann darauf geeinigt, unter diesen Voraussetzungen 90 Prozent des Südtiroler Steueraufkommens diesem Land zurückzugeben.
Oskar Peterlini (1950), Wirtschaftswissenschafter, von 1972 bis 1979 Vorsitzender der ›Jungen Generation‹ in der Südtiroler Volkspartei, 1978 bis 1998 Abgeordneter in Regionalrat und Landtag, zeitweilig Präsident des Regionalrates; seit 2001 Senator der Republik Italien.
Alfons Benedikter war aber auch ein großer Visionär. Bei so vielen Bäumen an Gesetzesartikeln, die er selbst, möglichst kompliziert, aber treffsicher, formulierte, mochte man ihm nicht zutrauen, dass er den Blick über den Tellerrand hinausrichtete. Aber gerade er tat das. Er sorgte sich schon damals um die Ernährung der Weltbevölkerung, erklärte mir, dass Milliarden mehr Menschen essen könnten, wenn wir direkt von den Früchten der Erde leben und nicht die Transformation über die Tiere suchen würden. Er war ein gerechter Mensch, dem der soziale Ausgleich ein Grundanliegen war. So ungehobelt er nach außen auch wirkte, so sehr hatte er ein Herz für die Arbeiter und die sozial Schwachen. Das Wohnbaugesetz ist sein Werk, es gab Tausenden von Familien ein eigenes Heim, und um den Baugrund dafür zu finden, führte er in Südtirol die Enteignungen ein. Böse Stimmen sagten ihm nach, er sei in der russischen Gefangenschaft ein Kommunist geworden. Und er tat überhaupt nichts dagegen, zumindest wie ein Sozialdemokrat auszusehen. Er schürte manche Gerüchte bewusst, wenn er mit der flachen, dunkelblauen Seemannsmütze wie Helmut Schmidt zu den Sitzungen kam.
Peppi Tischler (1942),Unternehmer und Karikaturist, hat Alfons Benedikter in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit spitzer Feder gezeichnet.
Rosa Franzelin-Werth (1940) war von 1973 bis 1992 Landtagsabgeordnete der Südtiroler Volkspartei, zeitweise auch Landtagspräsidentin. Von 1992 bis 2005 war sie Präsidentin des ›Instituts für den sozialen Wohnbau‹.
Alfons Benedikter hat mit seinen Raumordnungsgesetzen einen unschätzbaren Beitrag gegen die Zersiedelung und unkontrollierte Verbauung des landwirtschaftlichen Grüns geleistet. Rückblickend wird das heute auch von seinen damaligen Gegnern lobend anerkannt und hervorgehoben. Es ist sein Verdienst, wenn es heute in Südtirol keine entvölkerten Talschaften gibt und die anderenorts stattgefundene Landflucht bei uns ausblieb. Durch seine Raumordnungspolitik konnten auch in den Tälern und Dörfern neuer Wohnraum und neue Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung geschaffen werden, und nicht zuletzt konnte dadurch der zwangsläufigen Abwanderung junger Südtiroler Einhalt geboten werden.
Hans Benedikter (1940), Sohn von Alfons’ Onkel Alois Benedikter. Historiker und Publizist, war von 1972 bis 1992 Abgeordneter der SVP im italienischen Parlament.
Der langjährige Ministerpräsident Giulio Andreotti, ein mit allen Wassern gewaschener Politiker und einer der klügsten Köpfe, die das Nachkriegs-Italien hervorgebracht hat, sagte mir einmal, mein ›cugino‹ sei etwas »ganz Besonderes«, denn er habe einen »herausragenden Verstand«. Auf meine Gegenfrage, wie er zu diesem Urteil gelangt sei, meinte er, er habe in seinem ganzen Leben kaum einmal einen Menschen kennen gelernt, der wie Alfons Benedikter die Vorzüge der ›deutschen Tugenden‹ wie Gründlichkeit, Zuverlässigkeit und Arbeitsdisziplin mit einem so umfassenden Wissen vor allem im Autonomie- und Minderheiten-Bereich, aber auch auf vielen anderen Gebieten, in sich vereinigt hätte. Und mit seinem verschmitzten Lächeln fügte er hinzu: »Er war der Schrecken meiner Beamten. Sie hatten großen Respekt vor ihm und seinem Fachwissen, mit dem er sie nicht selten schachmatt setzte. Wenn er mit seiner Aktentasche auftauchte, in der sich fast jedes Mal eine neue Auslegung für eine der vielen Durchführungsbestimmungen des ›Pakets‹ befand, wussten sie sofort, dass ihnen ein sehr anstrengender Tag bevorstand …«
Adolf Spitaler (1940), langjähriger Leiter des Ressorts Raumordnung und Volkswohnbau der Südtiroler Landesverwaltung und Gemeindeassessor in Eppan
Heute redet man immer wieder von der ›Benediktinischen Raumordung‹ oder vom ›Südtiroler Modell‹. Dabei, glaube ich, weiß keiner genau, was das heißt. Alfons Benedikter ist davon ausgegangen, dass die Raumordnung ein Instrumentarium zur Steuerung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung des Landes ist. Statt auf die zentrale Entwicklungspolitik nach italienischer Lesart hat er auf die dezentrale Entwicklung gesetzt. Sein Credo war dabei: Die Leute müssen in ihren Dörfern bleiben können, denn dort sind sie mit der Umwelt und dem sozialen Gefüge verbunden. Daher muss man die Entwicklung so steuern, dass in allen Dörfern Wohnungen und ausreichend Arbeitsplätze durch neue Gewerbegebiete entstehen, sodass jeder Mensch innerhalb einer vernünftigen Entfernung einen Arbeitsplatz finden kann. Darüber hinaus müssten auch in den Landgemeinden die notwendigen Schulen und Verwaltungseinrichtungen entstehen.
Heinz-Siegfried Strelow (1965) ist Historiker und Publizist. Mitte der Achtzigerjahre Bekanntschaft mit Herbert Gruhl und Mitarbeit in der deutschen ökologischen Bewegung. Seit 2002 Vorsitzender des Heimatbundes Niedersachsen.
Im September desselben Jahres [1995] lernte ich endlich die Heimat von Alfons Benedikter kennen – Südtirol! Ich reiste mit der Bahn an, und der Freund empfing mich am Bozener Bahnhof. Mein Quartier bezog ich im Hause des Gastgebers. Beim Frühstück in der rustikalen Küche besprachen wir den Tagesablauf. Oder genauer: Alfons Benedikter schlug allerlei vor. Ein Besuch in der damaligen Geschäftsstelle der ›Union für Südtirol‹ gehörte dazu, wo ich erstmals Eva Klotz begegnete. Unvergesslich bleibt mir auch eine Wanderung am Kalterer See und ein Marsch in die Berge bei Bozen. Da hatte sich selbst der so ortskundige Alfons Benedikter verfranzt; es zog die Abenddämmerung herauf, und kurzentschlossen ging er auf einen Bauernhof und bat darum, telefonieren zu dürfen. Der verblüffte Bauer schaute mich an und fragte »… ist das nicht der …?« Und ich antwortete, noch bevor er seinen Satz beendet hatte: »Ja, das ist er.« Über mein unerwartetes, ihm sicher ungewohntes hannoversches Hochdeutsch war der Mann nun außerdem wohl noch mehr verblüfft.
Gennaro Pellegrini (1933), Generaldirektor a.D. der Südtiroler Landesverwaltung, geboren in Mezzocorona, kam mit vier Jahren nach Bozen, wo er 1956 in den Landesdienst trat, 1978 Leiter der Abteilung Finanzen und 1980 Generaldirektor wurde. Der anerkannte und perfekt zweisprachige Finanzfachmann hat entscheidend dazu beigetragen, die Finanzen des Landes in den ersten Jahrzehnten der Autonomie zu verwalten und die Finanzregelung von 1989 durchzusetzen.
Il pomeriggio del giovedì grasso e dell’ultimo giorno di carnevale il personale della Provincia era libero. Con i bambini si approfittava per andare a vedere le maschere sulle passeggiate lungo il fiume Talvera. Un giovedì grasso il pomeriggio l’assessore mi chiamò a casa sua a Girlan ed io non volli dirgli che avevo promesso ai miei figli di stare con loro. I suoi bambini festeggiavano saltando avanti e indietro vestiti in maschera. Ad un certo momento chiesi se potevo esser libero prima di sera. Fu sorpreso, disse di non aver fatto caso al carnevale e quasi scusandosi gli dispiaceva che non l’avessi chiesto prima, fin dall’inizio.
Egon Kühebacher (1934), Sprachwissenschaftler und Germanist, Verfasser des Tiroler Sprachatlasses und zahlreicher Publikationen über dialektgeographische, sprachwissenschaftliche, namenkundliche, historische, volkskundliche und theaterwissenschaftliche Themen.
Auch Landesrat Zelger schien offenbar mit diesem Vorschlag einverstanden. Als ich meine Bedenken äußerte, lud er mich ein, mit ihm nochmals bei Benedikter vorzusprechen. Es kam zu einem erregten Gespräch. Als Zelger den Vorschlag Magnagos verteidigen wollte, rief Benedikter dazwischen, dass davon überhaupt nichts zu halten sei, da durch dieses Hinausziehen die notwendige Abänderung des einschlägigen Autonomieartikels immer schwieriger werde. Und er zeigte in aller Klarheit, was ein Landesgesetz nach den Forderungen des Artikels 101 bewirken würde: Aus einem in über tausendjährigem Werden gewachsenen deutschen Kultur- und Sprachraum, mit dem das von den Siedlern geprägte Namengut unlösbar verbunden ist, würde ein Teil des italienischen Kultur- und Sprachraumes werden, in dem sich halt auch deutsche Namen befinden. Der nach Südtirol kommende Landfremde müsste den Eindruck bekommen, sich in einem alten italienischen Siedlungsgebiet zu befinden, in dem halt auch Deutsche sesshaft geworden seien. Damit wäre durch unser Zutun erreicht, was das faschistische Italien der Welt vorgaukeln wollte. Zelger, dem eigentlich erst jetzt die Absicht dieses Artikels richtig klar wurde, rief aus: »Das ist doch ein Schandartikel! Alfons, haben wir gschlofn?!« Darauf die Antwort Benedikters: »I net, bei dir und vielen ondren hot das Schlofmittl von Magnago gwirkt! Und sui hobn bravoklatscht!« (mit ›sui‹ sind die Italiener gemeint).
Giorgio Pasquali (1925) war von 1957 bis 1968 Bürgermeister von Bozen, dann Landtagsabgeordneter der DC von 1963 bis 1983, von 1968 bis 1983 Landesrat für Umwelt- und Landschaftsschutz und Transportwesen.
Benedikter era scettico sulla chiusura della vertenza del ‹Pacchetto›, ha lasciato la SVP e ha seguito la strada dell’autodeterminazione con un nuovo partito. Lei, col senno di poi, guardando gli ultimi 20 anni, come valuta lo sviluppo dell’autonomia?
Non credo che fosse stata giustificata questa sua svolta. I pericoli paventati da Alfons non si sono verificati. L’autonomia è andata avanti, dei suoi benefici stanno godendo tutti. Il modello si è consolidato, e perciò, tutto sommato, è stata la strada giusta. Comunque, Alfons con il nuovo partito non ha neanche cambiato la sua linea di fondo e le sue convinzioni precedenti, è andato avanti per la sua strada.
Henriette Klier, geb. Prochaska (1925), Studium der Philologie, Deutsch und Englisch. Unterrichtete an der HTL Innsbruck, jetzt freie Schriftstellerin.
Im Dorf Altenmarkt im Pongau gab es damals ein kleines Schwimmbad. Wir gelangten ohne Aufsehen zu erregen dorthin und tollten den ganzen Tag im Wasser herum. An diesem heißen Tag war das einfach herrlich. Erst am späten Nachmittag schlichen wir zurück. Kurz darauf wurden wir zur Lagerführerin Fräulein Glanzer zitiert. So standen wir beide in ihrem Zimmer, wobei Traudl die aufgeblasene Lagerführerin um Haupteslänge überragte. Es wurde uns Fahnenflucht und damit das Schlimmste, was man anstellen konnte, vorgeworfen. Wir kämen vor das Kriegsgericht in Salzburg, hieß es, und noch einiges Schlimmes wurde uns angedroht. Ich war zerknirscht, den Tränen nahe. Traudl dagegen stand ungerührt an den Türpfosten gelehnt, tat, als ob sie das überhaupt nichts anginge. Das brachte die Führerin zur Weißglut.
Josef Rampold (1925–2007) war Journalist, Autor und Heimatkundler. Dieser Nachruf erschien am 24. Mai 1994 in den ›Dolomiten‹.
Ihr Heim in Frangart war ihre Welt, die Familie ging ihr über alles; am öffentlichen bzw. am politischen Leben, das so lange durch ihren Gemahl als Landeshauptmannstellvertreter geprägt war, nahm sie kaum Anteil. Sie war ein sehr musischer und vielseitig gebildeter Mensch, der allem Schönen aufgeschlossen war.
© Dolomiten
Peter Ortner (1934), Zoologe und Botaniker, ist Vorsitzender des Heimatpflegeverbandes Südtirol.
Alfons Benedikter hat jahrzehntelang politisch und gesetzgeberisch einen großen Einfluss innegehabt, der weit über die Bereiche Urbanistik und Landschaftsschutz hinausging. Er hat mit Silvius Magnago ganz entscheidend an der Umsetzung des Paketes mitgewirkt. Alfons Benedikter war einer der bedeutendsten Politiker der Nachkriegsgeschichte.
Sie sind die Verkörperung des Paragraphenreiters, der Politjurist über Jahrzehnte hinweg. Die italienische Gesetzesmentalität kennen Sie, vertreten aber eine andere Gesetzesmentalität. Aus Ihrer Erfahrung heraus: Ist die in Italien traditionell verbreitete Auffassung gegenüber Regeln, Gesetzen und deren Einhaltung vereinbar mit der Einstellung zu Normen und der Obrigkeit, wie sie im deutschen Sprachraum verbreitet ist?
Ich habe in Neapel studiert und die italienische Mentalität gut kennengelernt. In Südtirol hat bis heute die Haltung vorgeherrscht, dass die Gesetze eingehalten werden müssen, eben nach deutscher Mentalität. Wir konnten ja nicht etwa eine Doppelmoral üben, unsere Landesgesetze respektieren und Staatsgesetze nicht einhalten. Gesetz ist Gesetz, und wir leben in einem Rechtsstaat. Staatsgesetze sind zwar politisch bekämpft worden, aber nie haben wir aufgerufen, sie nicht einzuhalten.
Zunächst wurde ich zur Alpini-Offiziersschule nach Bassano del Grappa beordert. Dort trat ich als einziger Südtiroler zur Ausbildung als ›allievo ufficiale alpino‹ an. Die anderen Jahrgangskollegen waren als Optanten meist vom italienischen Militärdienst befreit. Die Gespräche unter den Offiziersanwärtern in Bassano del Grappa verliefen oft so: »Ma voi in famiglia come vi sentite?« »Tedeschi!« war meine Antwort. »E come parlate in famiglia?« »Tedesco«, bestätigte ich immer wieder. »Ma perché non sei andato fuori anche tu, crucco di merda che non sei altro?«
Wir mussten militärische Übungen am Monte Grappa absolvieren. Nicht selten hatte ich das 50-kg-Gestell des FIAT-Maschinengewehrs bis auf den Gipfel zu tragen. Beim Abstieg nahmen wir Abkürzungen und ich drängte meinen Vordermann, etwas auszuweichen: »Vaffanculo, crucco!« war seine Reaktion. So schubste ich ihn weg und schimpfte zurück. Damit handelte ich mir eine Klage wegen Beleidigung ein. Vor der Disziplinarkommission sagte ich aus: »Er hat mich in meiner Nationalität beleidigt.« Unter Mussolini war diese Aussage gewagt, weil ja keine »deutsche Nationalität«in Italien anerkannt war. Ich bekam sechs Tage verschärften Arrest auf Brettern, während mein Gegenspieler frei ausging. So schrieb ich nach Hause: »Wenn man als Deutscher im italienischen Militär so behandelt wird, ziehe ich es vor, zur Wehrmacht zu gehen.« Doch unsere Briefe wurden zensiert.
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